Aktuelle Ausgabe
Die aktuelle Ausgabe
Heft 65-66
Wege ins Ungebahnte

Dieter Wellershoff. Aus dem Nachlass.
Herausgegeben von Walter Delabar und Werner Jung
Dieter Wellershoff – der JUNI und Wellershoff sind sich vor langen Jahren bereits begegnet, und das mit großem Wohlwollen. Da war eine von Horst Winz, Helge Drafz und Walter Delabar redigierte Zeitschrift, die sich vorgenommen hatte, dem kulturreichen, aber kulturzeitschriftarmen linken Niederrhein ein bisschen mehr Auftrieb zu verschaffen. Nach der Nullnummer, die im Jahr 1986 erschienen war, starteten die Newcomer mit dem ersten Heft zum 15. März 1987.
Dieter Wellershoff, in Köln lebend, war gleich das erste reguläre Heft des JUNI gewidmet war. Wellershoff war 1987 erst wenige Jahre als Lektor bei Kiepenheuer&Witsch ausgeschieden und hatte sich als Autor etabliert. Aber er war eben kein Neuling mehr, auch wenn er im JUNI als literarischer Außenseiter porträtiert wurde, sondern hatte bereits in den 1950er Jahren begonnen, eigene literarische Arbeiten zu publizieren, und vor allem hatte er eine ungemein große Wirkung als Lektor etwa Rolf Dieter Brinkmanns oder gar Heinrich Bölls entfaltet. Die später sogenannte ‚Kölner Schule des Neuen Realismus‘ trägt so oder so seine Handschrift, zumindest mit.
Für die beiden JUNI Redakteure, die Wellershoff seinerzeit zu einem Gespräch nachhause eingeladen hatte, war das eine große Nummer und eine große Gunst, dass dieser Autor das neue Projekt JUNI – Magazin für Kultur & Politik am Niederrhein unterstützte, mit eigenen Texten vor allem, die JUNI seinerzeit unentgeltlich drucken durfte. Damals im Übrigen auch schon dabei war Werner Jung, der bis heute Mitherausgeber des JUNI ist, später dann den letzten Band der Werkausgabe Dieter Wellershoffs betreute, eine Monografie und etliche Sammelbände über den Kölner Schriftsteller publizierte – und nun auch die Nachlassmaterialien in den JUNI gebracht hat, die wir in diesem Heft vorlegen.
Noch in seiner vermutlich letzten Notiz zum eigenen Werk besteht Wellershoff auf den allgemeinen Ansatz seines Werks, dem es um die Sondierung der menschlichen Widersprüche und Untiefen ging. Wer, ließe sich auch schreiben, wäre ehrlich mit sich selbst, wer glaubt nicht, dass man mit ihm eine Ausnahme mache, wer überspielte seine Widersprüche und Brüche denn nicht, wie auch immer? Das Werk Wellershoffs ist mit seinem Tod abgeschlossen, die Auseinandersetzung seiner Leser/innen mit seinem Werk hoffentlich noch lange nicht.
Zu beziehen über den Aisthesis-Verlag, Bielefeld. Im Abo 30,00 Euro plus Versand. Im Einzelpreis: 38,00 Euro.
INHALT
Editorial: Ins Unbekannte. Dieter Wellershoff ♦ S. 7
Werner Jung
Gefährliche Literatur. Dokumente und Texte aus dem Nachlass Dieter Wellershoff ♦ S. 11
Dieter Wellershoff
Es ist eine persönlich gesehene Welt. Brief an Keith Bullivant ♦ S. 13
Dieter Wellershoff. Arbeitszimmer und Bibliothek. Fotografien von Bodo Witzke ♦ S. 23
Dieter Wellershoff
Erfahrungsdefizit und Unwirklichkeit ♦ S. 33
Ihr Dieter Wellershoff. Briefe von Dieter Wellershoff ♦ S. 35
Dieter Wellershoff
Szenen, Ereignisse, Details, Bilder ♦ S. 68
Dieter Wellershoff
Skizzen, Entwürfe ♦ S. 74
Dieter Wellershoff
Solidarität im Filz. Bemerkungen zum Kölner Spendenskandal ♦ S. 81
Dieter Wellershoff
Erschreckende Spiegelbilder ♦ S. 85
Dieter Wellershoff
Schau dir das an … Für Thomas Böhm ♦ S. 87
Dieter Wellershoff
Literatur ohne Rückendeckung ♦ S. 89
Dieter Wellershoff
Eine gute Gelegenheit, neue Leser zu finden. Antwort auf die Umfrage: Lohnen Autorenlesungen ♦ S. 93
Dieter Wellershoff
Musik der Windharfe. für Günter Haese ♦ S. 95
Dieter Wellershoff
„Ins Sein gelangen“. Eine Wortkette. Klaus dem Geiger und seinen Mitspielern gewidmet ♦ S. 101
Dieter Wellershoff
Notizzettel ♦ S. 105
Dieter Wellershoff
Lebensrelationen. Gisela Neven DuMont zum 50. Geburtstag ♦ S. 115
Dieter Wellershoff
Kleine Vergeltungsphantasie. Rede zur Verleihung des Professorentitels ♦ S. 117
Der 90. Geburtstag. Ein Festakt. Fotografien von Bodo Witzke ♦ S. 119
Helge Malchow
Trauerrede auf Dieter Wellershoff ♦ S. 135
Dieter Wellershoff
Für einen Bildband ♦ S. 138
Petra Frerichs und Joke Frerichs
Semantik der „Stunde Null“. Krieg und Nachkrieg im Werk von Dieter Wellershoff ♦ S. 139
Markus Schwering
Wellershoff und Böll ♦ S. 149
Werner Jung
Wellershoff liest Lukács. Eine Miszelle ♦ S. 157
Dieter Wellershoff
Lebensmüde? ♦ S. 163
Dieter Wellershoff
Letzte Notiz ♦ S. 166
Werner Jung
Dieter Wellershoff, aus dem Nachlass. Eine editorische Notiz ♦ S. 167
Rahel Bacher
Mein Vorschlag wäre … 40 Jahre Briefwechsel Wolfdietrich Schnurre und Heinz Friedrich ♦ S. 171
Wolfdietrich Schnurre – Heinz Friedrich. Briefe ♦ S. 185
Gregor Ackermann, Hans-Joachim Heerde und Karl Prümm
Frank Warschauer, Bibliografie ♦ S. 203
Gregor Ackermann und Momme Brodersen
„Dr. Benjamin … so entsetzlich langweilig“. Rezeptionsdokumente zu Walter Benjamin (III) ♦ S. 237
Walter Delabar
Journalistinnen in den 1920er und 1930er Jahren Eine kleine Ergänzung zu einigen Zahlenspielen ♦ S. 249
Doris Lauer
Wenn der Tod / Die Musik verschlingt. Walter Hasenclevers Gedichte an Mirl ♦ S. 257
Walter Hasenclever
Gedichte an Mirl ♦ S. 263
Werner Jung
Von der Notwendigkeit des Dystopischen. Prolegomena zu einem inzwischen inaktuellen Thema ♦ S. 269
Walter Delabar
Das Phantastische, das Wunderbare, das Unvorstellbare. Einige Überlegungen zur Funktion des Phantastischen in der Moderne ♦ S. 279
Schafott/Über den grünen Klee – Rezensionen und Hinweise ♦ S. 292
Autorinnen und Autoren ♦ S. 319