24Mai

Aktuelle Ausgabe

By: marius \ Comments: 0 \ Date: 24.05.2016

Die aktuelle Ausgabe

Heft 55-56

EINE GEFÄHRLICHE STRASSE

Mediale Produktionen, Revolutionen und Diskussionen im frühen 20. Jahrhundert

Mit Texten von Erika, Klaus und Thomas Mann, Joachim Ringelnatz, Friedrich Hollaender, Alfred Döblin, Erich Grisar, Franz Hessel, Karl Schnog, Hans Fallada, Erich Mühsam und Klabund. Sowie mit Beiträgen zum Tonfilm, zur Fotoreportage, zum Fotobuch, zu Wolf von Niebelschütz als Feuilletonredakteur, zur Isotype Otto Neuraths, zur Perspektivierung im Comic, zu Schwitters Ur-Sonate und ihren
Fälschungen, zu Ernst Tollers Bemühungen um den Film und Max Herrmann-Neißes Rundfunkarbeiten

Herausgegeben von Gregor Ackermann und Walter Delabar

Ein Blick in das frühe 20. Jahrhundert ist oft befremdlich, fördert aber ebenso oft Vertrautes zutage, weil sich in dieser Zeit vieles wiederfinden lässt, was uns heute selbstverständlich ist. Manchmal noch in den Anfängen, gelegentlich mit Ideen verziert, die bis heute ihre Wirkung nicht verloren haben, unabhängig davon, ob sie realisiert wurden oder als realisierbar gelten. Über Rundfunk, Film, Fotoreportage und Feuilleton gibt es in diesem Heft einiges zu lesen, und was alles bei unserer Suche nach Beiträgen zusammengekommen ist, gefällt uns sehr.

Dass wir heute in einer Mediengesellschaft leben, ist uns selbstverständlich. Unser Interesse gilt in diesem Heft aber vor allem den Medienerzeugnissen und
-plattformen, die im frühen 20. Jahrhundert entstanden sind und der Literatur mehr und mehr Konkurrenz machen. Dass diese Konkurrenz heilsam ist, ist verschiedentlich bemerkt worden. Aber Jammern gehört zum Geschäft, und so sei es der Literatur und ihren Machern gegönnt, dass sie sich über ihren Niedergang beschweren – und zugleich von der medialen Verwertung ihrer Produktionen profitieren. Ein Film zum Buch? Was kann es Besseres geben? Und das gilt ebenso für den Rundfunk, der intensiv Anregungen aus der Literatur aufnahm, um sie in seinem Medium weiterzuverarbeiten.

Von Seiten der Autorinnen und Autoren sind die Neuen Medien im frühen 20. Jahrhundert als Chance wahrgenommen worden, ihre Einnahmen zu verbessern. Mit anderen Worten, die Konkurrenz zwischen den Autoren wurde heftiger, die Optionen aber vergrößerten sich zugleich. So konnte sich Wolf von Niebelschütz als Zeitungsredakteur überhaupt erst zu dem Autor entwickeln, der er nach 1945 sein sollte und konnte. Firmenschriften und Romane als Tätigkeitsfeld gleichermaßen? Das muss man als Autor im 20. Jahrhundert können. Und auch die Fotoreportage bot Möglichkeiten für Autoren, die eben nicht nur Texte zu Fotos schrieben, sondern sich auch von den Fotos dazu verleiten ließen, das, was sie sagen wollten, noch einmal zuzuspitzen.

Die Beiträge und Textfunde dieses Heftes nehmen die Medienlandschaft des frühen 20. Jahrhunderts intensiv unter die Lupe. Die Besprechungen tummeln sich wie gewohnt im Themenfeld des Heftes – und finden sich zugleich auf der Website des JUNI, wo sie jeweils nach Fertigstellung vorab veröffentlicht werden.

Zu beziehen über den Aisthesis-Verlag, Bielefeld. Im Abo 30,00 Euro plus Versand. Im Einzelpreis: 38,00 Euro.

INHALT

Walter Delabar und Gregor Ackermann
Editorial ♦ S. 7

Klaus Mann
Kunst und Technik ♦ S. 9

Dirk Heißerer
„Die Situation ist neu und reizvoll“. Thomas Mann im Tonfilm (1929) ♦ S. 11

Der Satiriker Joachim Ringelnatz sagt ♦ S. 32

Alan Lareau
Friedrich Hollaender als Filmkritiker. Kolumnen für das Berliner Journal ♦ S. 34

Friedrich Hollaender
Filmkritiken. Mitgeteilt von Gregor Ackermann und Alan Lareau ♦ S. 37

Anke Steinborn
Die Frau, das Bild, der Mord. Das Bild ist tot. Es lebe das (Bewegt-)Bild ♦ S. 53

Alfred Döblin
Zu „Der Weg ins Leben“ ♦ S. 73

Michael Pilz
„Mr. Toller is not a stranger to films“. Ernst Toller und der Film –
Bemerkungen zu einer glücklosen Beziehung ♦ S. 77

Manuel Illi
Zwischen ‚Tendenzphotographie‘ und ‚Gebrauchslyrik‘. Die politische Dimension der Foto-Text-Bücher zur Zeit der Weimarer Republik ♦ S. 111

Erich Grisar
Tonfilm des Alltags. Phantastik des Abbruchs. Zwei Reportagen ♦ S. 132

Walter Delabar
Mit Lichtbildern natürlich – ohne die geht’s ja nicht mehr. Über die narrative Emanzipation der Fotoreportage in Reiseberichten der Weimarer Republik ♦ S. 136

Franz Hessel
Eine gefährliche Straße ♦ S. 177
Etwas von der Arbeit ♦ S. 179

Walter Delabar
Etwas von der Arbeit / Eine gefährliche Straße. Ein Textvergleich ♦ S. 185

Dominik Riedo
Die Wahl zwischen Dichtung und Zeitung. Niebelschütz als Schriftleiter ♦ S. 189

Günther Sandner
Isotype. Visuelle Erziehung und Politik ♦ S. 223

Christian A. Bachmann
Teleskop und Mikroskop. Perspektivierung und Rahmung in visueller Satire und Comic um 1900 ♦ S. 241

Benjamin Bitterling
Modernes Merzen. Die Ursonate und ihre Tonaufzeichnung ♦ S. 262

Hans Fallada
Arbeitsschule für Hörspieler. Kleiner Mann – was nun? ♦ S. 273

Fabian Wilhelmi
Ästhetische Freiheiten und finanzielle Abhängigkeiten. Das Verhältnis zwischen Max Herrmann-Neiße und Fritz Walther Bischoff ♦ S. 275

Erika Mann
„Der Rundfunk und ich“ ♦ S. 288

Erich Mühsam
Kampf um Lulu. Einwürfe ♦ S. 289

Friedrich Hollaender
Abschied von „Schall und Rauch“ ♦ S. 297

Klabund
Das ideale Kabarett. Eine Antwort auf Friedrich Hollaender ♦ S. 299

Alan Lareau
Glanz und Elend des Kabaretts. Ein Austausch, 1920 ♦ S. 301

Karl Schnog
Medien. Gedichte ♦ S. 303

 

Schafott/Über den grünen Klee – Rezensionen und Hinweise ♦ S. 307

Abbildungsnachweise ♦ S. 358

Autorinnen und Autoren ♦ S. 359