24Mai

Aktuelle Ausgabe

By: marius \ Comments: 0 \ Date: 24.05.2016

Die aktuelle Ausgabe

Heft 57-58

DIE FREIHEIT ERHEBT IHR HAUPT

Über die Revolution, ihre Erfolge, einige Missgriffe und ihr Nachleben

Mit Texten von und zu Larissa Reissner, Lucia Moholy, Gustav Noske, Richard Müller, Kurt Eisner und Alfons Paquet, einem Revolutionsdenkmal von Bernhard Hoetger, und zahlreichen Abhandlungen und Kommentaren zu Victor und Friedrich Hollaender in der Revolution, zu Brechts Hitlerstudien, zur Revolution in Deutschland, München und Österreich, zu ihren Dichtern und ihren Denkmälern. Außerdem ein Erinnerungsbild zu Irène Némirovsky und Irene Kafka.

Herausgegeben von Gregor Ackermann und Walter Delabar

„Die Freiheit erhebt ihr Haupt“: Die Rhetorik der Revolution 1918/19 ist voller Pathos, aber das mit gutem Grund, ist Pathos doch die Haltung und Stilform, die – für die Zeitgenossen vor der Neuen Sachlichkeit – dem Ereignis und seiner Tragweite angemessen war. Die Hoffnungen, die sich an die Revolution knüpften, waren zweifelsohne sehr groß. Umso größer die Enttäuschung, als am Ende dieser wenigen, ereignisreichen Monate nicht das ersehnte Reich der Freiheit stand, eine andere Gesellschaft, in der Unrecht, Unterdrückung und Gewalt Vergangenheit waren. Stattdessen stand am Ende der Revolution eine parlamentarische Demokratie westlicher Prägung, über Jahre hinweg andauernder innen- wie außenpolitischer Streit, ein entfesselter Kapitalismus, der von einer Krise in die nächste taumelte, um danach umso vitaler wiederaufzusteigen, eine Gesellschaft, die sich mit ihrer neu gewonnenen Freiheit nicht anfreunden, die den Zumutungen der offenen Gesellschaft entgehen wollte, ohne auf deren kleine Freuden verzichten zu wollen, und die sich einer korrupten nationalistischen Kamarilla an den Hals warf, die sich nichts besseres zum Machterhalt einfallen ließ, als den nächsten Großen Krieg anzuzetteln.

Aber auch wenn die Defizitanzeigen in Sachen Weimarer Republik nicht wegzudenken sind – kaum ein Vorwurf, den man der Republik machen kann, ist wirklich falsch –, muss man sich schwer damit tun, die Republik als Missgriff und Misserfolg abzutun.
Die Freiheit hat, um eine pathetische Wendung Kurt Eisners aufzunehmen, Ende 1918 ihr Haupt erhoben, und es hat gereicht, die Monarchie zu zerstören, den Adel aus allen Ämtern zu verjagen und das Volk als Ursprung der Staatsgewalt festzuhalten. Aber sie hat sich mit wenig genug zufrieden gegeben.

Zu beziehen über den Aisthesis-Verlag, Bielefeld. Im Abo 30,00 Euro plus Versand. Im Einzelpreis: 38,00 Euro.

INHALT

Walter Delabar und Gregor Ackermann
Editorial ♦ S. 7

Bernhard Hoetger, Lucia Moholy
Revolutionsdenkmal. Für die während der Bremer Februarkämpfe gefallenen Proletarier ♦ S. 11

Helga Karrenbrock, Walter Fähnders
„Die ganze Zertretenheit des Proletariats schreit in den Backenknochen“. Zur Revolutionsdenkmal-Broschüre von Bernhard Hoetger und Lucia Moholy ♦ S. 29

Lucia Moholy
Über den Kommunismus ♦ S. 41

Helga W. Schwarz
Larissa Reissner. Revolutionärin und Chronistin ♦ S. 45

Larissa Reissner
Ullstein ♦ S. 63
Die Barrikade ♦ S. 75
Zur Edition der Texte ♦ S. 85

Das Nahe und das Ferne. Die Texte Larissa Reissners in einer Neuedition ♦ S. 92

Frank Jacob
Marx und / oder Bakunin? Kurt Eisner (1867-1919) und der Anarchismus ♦ S. 95

Kurt Eisner
Marx und Bakunin ♦ S. 101
Die Freiheit erhebt ihr Haupt ♦ S. 108
Aufgaben der Räte ♦ S. 111
Wir sind mit der Revolution vorangegangen ♦ S. 113
Die Stellung der revolutionären Regierung zur Kunst und zu den Künstlern ♦ S. 115

Primus-Heinz Kucher
Vom glanzlosen Finale. Österreich 1918-1920: Spiel- und Projektionsräume revolutionärer Umgestaltung ♦ S. 123

Alfons Paquet
Das Telegraphenamt (aus Von November bis November) ♦ S. 139

Oliver M. Piecha
Kreuz und Quer durch Utopia. Eine Sinnsuche im Nachkrieg. Alfons Paquets Romanmanuskript Von November bis November ♦ S. 147

Alan Lareau
Musikalische Bilder der Revolution. Victor und Friedrich Hollaender und das Jahr 1919 ♦ S. 167

Gustav Noske
Die Abwehr des Bolschewismus ♦ S. 185

Wolfram Wette
Abwehr des Bolschewismus? Ein Kommentar ♦ S. 213

Walter Delabar
Anfang des Schönen, des Schrecklichen oder des Banalen. Ein irritiertes Popup zur Revolution in Deutschland 1918/19 ♦ S. 213

Richard Müller
Das Rätesystem in Deutschland ♦ S. 245

Dirk Heißerer
Brecht studiert Hitler oder Über die Theatralik des Faschismus ♦ S. 259

KLEINE ERINNERUNGSARBEITEN
Gregor Ackermann
Irène & Irene. Ein Hinweis zu Irène Némirovskys Roman Le Malentendu und seiner Übersetzerin Irene Kafka. Kleine Erinnerungsarbeiten I ♦ S. 295

Irène Némirovsky
Die französische Frau im Krieg ♦ S. 303

Bibliographie Irene Kafka ♦ S. 309

 

Schafott/Über den grünen Klee – Rezensionen und Hinweise ♦ S. 322

Abbildungsnachweise ♦ S. 358

Autorinnen und Autoren ♦ S. 359